Lexikon

Hier entsteht ein kleines Lexikon mit den wichtigsten Sachen, die es zum Laden zu wissen gibt.

B wie Barrierefreiheit
D wie Definitionsmacht

B wie Barrierefreiheit

Das krachtz liegt ebenerdig und ist vollständig ohne Stufen. Insgesamt ist es etwas eng, vor allem teilweise die Ecken durch die Türen. Die Toilette ist dafür sehr groß und auch mit Rollstuhl gut zu nutzen.

Wir bemühen uns um Gebärdendolmetscher*innen bei Veranstaltungen. Allerdings solltet ihr vorher anfragen, damit wir uns drum kümmern können, da wir sie extern „bestellen“ müssen.

D – Definitionsmacht

Als Ladenplenum verstehen wir die Definitionsmacht als eine feministische Strategie und ein politisches Instrument zur Stärkung von Frauen. Im Rahmen der Definitionsmacht bestimmt allein die Betroffene, ob eine sexualisierte Grenzverletzung vorgefallen ist.

Warum ist das alleinige Bestimmen der Betroffene für den Laden von Bedeutung?

Sexualisierte Gewalt wird aufgrund der persönlichen Geschichte, Gegenwart und Erfahrung von Betroffenen stets unterschiedlich erlebt, eingeordnet und eingeschätzt. Mit dem Instrument der Definitionsmacht ist es möglich, dass unabhängig davon, wie ein Übergriff aussah, einzig und allein die Betroffene eine Vergewaltigung oder einen sexualisierten Übergriff als solchen bezeichnet, denn das entspricht dann ihrer Wahrnehmung und ist als genau das zu akzeptieren.

Warum?

Sexistische Handlungen, Ausdrucksweisen und sexualisierte Gewalt finden nicht in luftleeren Räumen statt. Sie basieren auf gesellschaftlichen Ungleichverhältnissen und manifestieren diese gleichzeitig.

Wenn der Raum nicht luftleer ist, was dann?

Geschlechterverhältnisse und Geschlechtszuschreibungen strukturieren unser gesamtes Leben. Dabei sind Frauen Männern* in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen untergeordnet. In dieser patriarchalen Verfasstheit der Gesellschaft ist sexualisierte Gewalt ein Mittel zur Aufrechterhaltung und/oder (Wieder-)herstellung von Macht. Und obwohl Antisexismus als einer der zentralen Ansprüche innerhalb einer linksradikalen und sich als emanzipatorisch verstehenden Szene genannt wird, gibt es auch hier immer wieder sexistisches Verhalten und patriarchale Strukturen. Das beginnt bei sexistischen Machtstrukturen innerhalb von Gruppen (wie dominantem Redeverhalten oder Informationshierarchien) und reicht bis zur Ausübung von sexualisierter Gewalt – leider auch in vermeintlich linken/emanzipatorischen Räumen.

Diese sexistischen Machtstrukturen und patriarchalen Geschlechterverhältnisse sind nicht nur Ursache sexualisierter Gewalt, sie wirken auch auf den Umgang mit derselben.

Was bedeutet das für den Umgang

Betroffene sind meistens gezwungen nachzuweisen, dass ihnen Gewalt angetan wurde/ihre Grenzen überschritten wurden. Es wird erwartet, dass sie glaubhaft sind, sich während des Übergriffs nach Kräften gewehrt haben und einem klischeebeladenen Opferbild entsprechen. Sie müssen die grauenhaften Erlebnisse allen erzählen, damit sich jedermann ein Bild davon machen und objektiv urteilen kann, wer schuldig ist und wer nicht.

Dieses Prinzip wird untermauert durch das Konzept der bürgerlichen Gerichtssprechung des „Im Zweifel für den Angeklagten“.

Dieses Vorgehen lehnen wir aus folgenden Gründen ab, weil es Betroffenen nicht gerecht wird:

  • Die meisten Täter stehen nicht mit einem Beil oder Messer hinter einem Baum und sind auch meistens keine Fremden. Der mit Abstand größte Anteil sexualisierter Gewalt findet im familiären, Freundes- und Beziehungsumfeld statt.
  • Ein sexualisierter Übergriff ist IMMER ein massiver Angriff auf die körperliche und seelische Integrität. Wie Betroffene bei Übergriffen reagieren – z.B. ob sie sich aktiv wehren oder nicht -, ist total verschieden und kann nicht von Dritten beurteilt werden.
  • Traumatisierungen führen zu lückenhaften Erinnerungen und ganz unterschiedlichen niemals eindeutig Verhaltensweisen. Es gibt kein „typisches Opferverhalten“.
  • Die Veröffentlichung eines Übergriffs ist meistens eine massive Belastung für die betroffene Person. Als Reaktionen können Freundschaften auseinander brechen, Abstreiten des Übergriffs, Diffamierung als „Störenfried*in“ etc.
  • Die meisten Frauen sind ihr Leben lang von sexistischem Verhalten bis hin zu sexualisierten Übergriffen ausgesetzt. Grenzüberschreitungen zu formulieren fällt deshalb oft schwer.

Und darum: Die Definitionsmacht!

Im Rahmen der Definitionsmacht bestimmt allein die Betroffene, ob eine sexualisierte Grenzverletzung vorgefallen ist.

NOT the same procedure as every year

Auch wenn wir mit dem Konzept der Definitionsmacht gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht umkehren können, sondern die sexistische Misere nur bestmöglich verwalten zu versuchen, auch wenn wir selbst nicht frei von Macht- und Diskriminierungsstrukturen sind und ganz bestimmt nicht perfekt, ist es uns wichtig bei jeder Art von sexistischem Verhalten klar (pro-)feministisch zu agieren und uns eindeutig zu positionieren – im Sinne der Betroffene(n).

Dies bedeutet konkret für das krachtz

das Benennen einer Belästigung, einer sexualsierten Grenzüberschreitung oder Gewalt, bzw. eines Übergriffs, bzw. einer Vergewaltigung wird nicht in Frage gestellt (das schließt auch (kritische) Nachfragen zum Hergang der Tat aus)
Das Prinzip des bürgerlichen Gerichtssystems „Im Zweifel für den Angeklagten“ gilt im krachtz im Falle sexualisierter Gewalt (und rassistisch motivierter Gewalt) aus den oben genannten Gründen NICHT
Betroffene können sich bei Bedarf an die jeweiligen Verantwortlichen für den Abend melden. Wer das ist, kann einfach erfragt werden.
Zentral sind für uns die Wünsche und Bedürfnisse von Betroffenen, an denen wir unser Handeln auch ausrichten
Wir möchten gerne einen Raum gestalten in dem sich alle sicher fühlen können und in dem die Grenzen aller respektiert werden. Das heißt für uns auch, dass ein Täter im Zweifel gehen muss, wenn sich Dritte mit seiner Anwesenheit nicht wohl fühlen, selbst wenn die Betroffene selbst keine Hausverbote oder Ähnliches einfordert. Ausschlüsse produzieren wir jeden Tag, allein durch unsere Strukturen. Es ist eine Illusion einen Raum zu schaffen, aus dem niemand ausgeschlossen wird. Die Frage ist nur, ob das konkret und benannt passiert, z.B. wenn ein Täter gehen muss, oder versteckt, weil Menschen nicht mehr kommen, weil sie sich unter Anwesenheit eines Täters nicht mehr sicher fühlen. Wir entscheiden uns dabei für die erstere Variante.

* Mit Frauen und Männern meinen wir soziale Realitäten in denen Menschen leben. Nur weil Geschlecht konstruiert ist, heißt das nicht, dass es keine konkreten Auswirkungen auf das Leben von Menschen hat. Wir gehen allerdings nicht von einer biologisch tatsächlich existierenden Zweigeschlechtlichkeit aus. Männer und Frauen sind diejenigen, die sich so definieren.

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